Meeraner Sportverein e.V.

Chronik

Kurzhistorie: BSG Fortschritt Meerane

In der Reihe „Kurzhistorie“ werden auf Fußball in Sachsen in loser Folge alte Vereine aus der Region vorgestellt. Vereine, die in Vorkriegs- oder zu DDR-Zeiten Erfolge sammelten aber nach der Wende in den Niederungen des Amateurfußballs versanken. Heute: die kleine BSG Fortschritt Meerane, die beinahe Ostzonenmeister geworden wäre. Ein Stück Fußballgeschichte in Sachsen.

König Richard vor der Krönung

Seit 1907 wird in Meerane organisierter Fußball gespielt. Auf den 1. FC folgten rasch der FC Wacker und die Turnerschaft. Nach dem Ersten Weltkrieg bündelte man die Kräfte in der Sportvereinigung Meerane 07. Seitdem ist Fußball in Meerane untrennbar mit dem Namen Richard Hofmanns verbunden. Als Jugendlicher lernte er bei der SpVgg das Fußballspielen. Zwischen 1925 und 1928 gewann die Mannschaft um Hofmann dreimal die Gauliga Westsachen, eine von elf regionalen Ligen im heutigen Gebiet Sachsens. Vielleicht nicht die größte Leistungsdichte, aber immerhin verwies man die Rivalen im „großen“ Zwickau auf die hinteren Ränge. Heimspiele wurden im Sportplatz Roter Hügel ausgetragen. Eine weitere Meisterschaft folgte 1930. Hofmann war da allerdings auf Anraten Jimmy Hogans bereits zum Dresdner SC gewechselt. Zu seinem Nationalmannschaftsdebüt kam er jedoch noch zu Meeraner Zeiten: Am 2. Oktober 1927 verliert die Deutsche Auswahl in Kopenhagen gegen Dänemark mit 1:3. Es ist das erste von insgesamt 25 Länderspielen Hofmanns. „König Richard“ – wie er später genannt wurde – gelangen dabei 24 Tore. Heute trägt das Stadion in Meerane seinen Namen. Mit Ende des Zweiten Weltkriegs werden alle Vereine zerschlagen, somit auch die SpVgg Meerane 07.

Sternstunde Ostzonenmeisterschaft

Am 1. September 1946 wird die SG Meerane gegründet. In der Sowjetischen Besatzungszone wird zweimal die Ostzonenmeisterschaft ausgespielt. In beiden Spielzeiten kann sich Meerane als einer von zwei sächsischen Vertretern qualifizieren. 1948 wird die SG Meister im Kreis Glauchau, setzt sich anschließend in der Qualifikation gegen Leipzig Gohlis Nord (1:0) und die klaren Favoriten Dresden-Friedrichstadt (3:1) durch. Bei der Ostzonenmeisterschaft folgen Siege über die SG Babelsberg (3:1) und die Sportfreunde Burg (2:1 n.V.). Im Halbfinale scheidet Meerane trotz 2:0-Führung noch mit 2:5 gegen Freimfelde Halle aus. Doppelt bitter aus Meeraner Sicht: 1. Ostzonenmeister wird der Nachbar SG Zwickau-Planitz.

1949 ist der Weg zur Endrunde der Ostzonenmeisterschaft weiter. Zunächst wird Meerane Meister der Staffel 1 im Bezirk Chemnitz. Es folgen drei Endspiele um die Bezirksmeisterschaft gegen Chemnitz Nord, den anderen Staffelsieger. Meerane gewinnt zwei von drei, zieht in die Endrunde der Meister um die Landesmeisterschaft von Sachsen ein. Fünf Teams spielen im Modus Jeder gegen Jeden. Drei Mannschaften landen mit 3 Siegen und 1 Niederlage punktgleich auf Platz eins, müssen damit in eine nächste Ausscheidungsrunde. Erneut lautet der Modus Jeder gegen Jeden. Wohlgemerkt werden hier zwei Vertreter des Landes gesucht, d.h. einzig Industrie Leipzig scheidet mit zwei Niederlagen aus. Für Meerane und Friedrichstadt geht es weiter in die Endrunde. Wieder zieht Meerane mit einem Sieg über die SG Babelsberg (3:1) in das Halbfinale ein. Wieder geht man dort in Führung. Und wieder ist trotzdem Schluss. Am Ende siegt Fortuna Erfurt mit 4:3 n.V., unterliegt selbst aber im Finale der ZSG Union Halle (4:1), ehemals Freiimfelde.

Gründungsmitglied der DDR-Oberliga

Als amtierender Vizemeister Sachsens ist Meerane für die neue DDR-Oberliga qualifiziert. Die Debütsaison (1949/50) tritt man als BSG Einheit an. Auf den neunten Platz folgt eine erneute Umbenennung. Der Name BSG Fortschritt Meerane bleibt. Fortschritt war die Bezeichnung für Mannschaften, deren Trägerwerke in der Leicht- und Textilindustrie beheimatet waren. Zur neuen Saison wird die Liga von 14 auf 18 Mannschaften aufgestockt. Meerane landet auf einem respektablen zehnten Tabellenplatz. Im Jahr drauf gelingt der Klassenerhalt nicht mehr. 1951/52 spielen 19 Teams um die Meisterschaft. Die letzten vier steigen ab. Meerane wird 16. Vier Punkte fehlen zum rettenden Ufer.

Zumindest gelingt der direkte Wiederaufstieg. Das Muster der nächsten Spielzeiten in der Oberliga bleibt jedoch das gleiche; auf einen zehnten Platz (bei 15 Teams) folgt der Abstieg. Nur dieses mal kommt Fortschritt Meerane nicht zurück. In der Ewigen Tabelle der DDR-Oberliga bleibt der 25. Platz, von insgesamt 45 Vereinen. Einen Rang dahinter der BSG Fortschritt Meerane: die BSG Energie Cottbus. Nach fünf Spielzeiten stehen 117 zu 247 Punkte zu Buche. Wolfgang Starke und Wolfgang Lichtenstein sind mit je 131 Einsätzen Oberliga-Rekordspieler der BSG Fortschritt. Starke erzielte auch die meisten Tore (40). Mit sieben Treffern ist er gleichzeitig der beste Torschütze der zwei frühen Ostzonenmeisterschaften.

Absturz der BSG Fortschritt Meerane

Besonders bitter am Abstieg im Sommer 1955: Im Herbst stellt man den Spielbetrieb nach sowjetischem Vorbild auf das Kalenderjahr um. Somit wird im Herbst ’55 nur eine Halbserie gespielt. An deren Ende steht Fortschritt Meerane an der Tabellenspitze der zweitklassigen DDR-Liga. Auf- und Abstiege gibt es aber nicht. Auch der SC Wismut Karl-Marx-Stadt durfte sich als Erster der Oberliga nicht über einen offiziellen Meistertitel freuen. Doch während Wismut es im Folgejahr nachholt, steht Fortschritt nach zwei Runden zwischen Frühjahr und Herbst 1956 nur noch auf Rang vier. Bereits 1961/62 kehrt man übrigens zur gängigen Spielplanung zurück. In dem Übergangsjahr bestritt man sogar drei Runden, die letzte auf neutralem Boden. Meerane wurde derweil durchgereicht, war am Ende der Dreifach-Saison schon in der viertklassigen Bezirksliga angekommen.

Noch zu Oberliga-Zeiten hatte man in Meerane mit dem Bau eines neuen Stadions begonnen. In der Saison 1953/54 sahen immerhin im Schnitt 11.000 Zuschauer die Heimspiele der BSG Fortschritt. Am 5. Juni 1955 wurde das Stadion der Freundschaft mit einem Spiel gegen die Rivalen von Chemie Glauchau eingeweiht. Dass fortan niederklassige Partien im neuen Rund ausgetragen wurden, liegt auch an der Dichte von Top-Klubs im Umfeld von Meerane. So konnte sich der vergleichsweise kleine Verein nicht den Oberliga-Stammgästen aus Karl-Marx-Stadt, Aue und Zwickau erwehren. Talentierte Spieler wurden zu den großen Vereinen delegiert. Zumindest in der Bezirksliga Karl-Marx-Stadt konnte man sich in den 70er- und 80er-Jahren vereinzelt einige Spielzeiten halten.

Überregional blieb Meerane eher noch Radsportfans ein Begriff, die Ortschaft für „Die Steile Wand“ berüchtigt: ein zwölfprozentiger Anstieg, der die Teilnehmer der Internationalen Friedensfahrt auf die Probe stellte. Ähnlich mühsam wie den Radlern erging es der BSG nach der Wende. Fortschritt firmiert fortan als Meeraner SV. Nur mit Mühe kann bald drauf die Insolvenz noch abgewendet werden. Die Ligazugehörigkeit wechselt mal auf, mal ab. Einzig die Verhältnisse bleiben bescheiden. Heuer spielt man – akut abstiegsbedroht – in der Landesklasse West, der siebthöchsten Liga.

 





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